˛˚ღ • Moment in Time

Kuschelzeit ~ oder das Kind in dir

Und es geschah wie jedes Jahr im Dezember, dass der Weihnachtsmann die Erde besuchte.
In diesem Jahr hatte er besonders viele Teddys mitgebracht da der Wunschzettel fast unvorstellbar lang war. Sein Geschenksack war so voll und schwer, das es ihm schon langsam zu einer Bürde und schweren Last geworden war.

Die Wünsche waren in den Jahren immer teurer geworden , die Wunschlisten immer größer und der Weihnachtsmann machte sich Sorgen um all die vielen Tiere und Stofftiere die er zu den Kindern bringen sollte.
Denn fast auf allen Wunschzetteln standen auch Ipods, Spielekonsolen, PC `s und vielfältige, zum Teil auch gewaltreiche Spiele.
Seine Arbeit bereitete ihm immer weniger Freude, die Kinderzimmer waren überfüllt mit Geschenken, Stofftieren die gestapelt in den Schränken und Ecken lagen und bei der Fülle all der Spielsachen kaum noch Beachtung fanden.
Vorbei die Zeit als sich ein Kind eine Puppe oder ein Stofftier wünschte, die Augen strahlten wenn das Weihnachtsglöckchen klingelte, die Weihnachtslieder erklangen, die vielen Kerzen sich in den Kugeln und den Augen der Menschen spiegelten.
Erwartungsvolles Staunen und dann die Freude, als die Augen erstrahlten wenn das heißersehnte Geschenk unter dem Christbaum lag.

Er lieferte schon seit Jahren keine echten Tiere mehr aus, das besorgten dann die Eltern, doch er selbst konnte es nicht mehr ertragen wenn die Tiere nach einer kurzen Zeit des Interesses dann lieblos vernachlässigt wurden, lästig waren, verlassen, gequält und im Verlauf des Sommers dann auf den Straßen ausgesetzt wurden.
Aber auch seine Stofftiere wünschten sich Geborgenheit und jeder seiner Teddys wünschte sich von Herzen ein schönes, liebevolles und kuscheliges Zuhause. Sie wollten Liebe und Wärme verschenken und brauchten es ebenso von ihren Menschen und Kindern geliebt zu werden.

Denn besonders traurig und besorgt fühlte er den Hintergrund – die Menschen verloren immer mehr ihre Liebe und ihr Gefühl füreinander und für ihre Umwelt, selbst das Gefühl zu sich selbst. Sie hungerten trotz all ihrer Reichtümer.

Im Teddyland, hinter dem Horizont – tief im Norden am Nordpol hatten alle Teddys und Stofftiere in Liebe miteinander gelebt. Ständig von Freundschaft, Freude und Spiel umgeben, vorbereitet auf den großen Augenblick zu ihrem Menschen zu kommen.
Sie hatten miteinander alle Freuden geteilt, gespielt, gekuschelt, sich geliebt und gelernt was es heißt dem Menschen ein Freund zu sein. Ihm zuzuhören, damit er das Gefühl hatte alles besprechen zu können, ihn ausreden zu lassen und ihm Wärme zu spenden.
Doch das Alles hatte sich verändert, Zeit, Verständnis und Liebe hatten so sehr an Wichtigkeit verloren, dass die Kinder den Zugang zu diesen Werten verloren hatte.
Was man nicht kennen gelernt hatte, konnte man nicht vermissen und so hatte sich der Wunsch nach immer mehr, größeren und teureren Geschenken entwickelt. Es gab kaum noch Ruhe und Stille, alles musste schnell schnell gehen, der Lärm war in den Ohren des Weihnachtsmanns fast unerträglich geworden.

Hin und wider, bei dem Anschauen alter Filme beispielsweise, tauchte eine Sehnsucht in einigen noch offenen Herzen der Menschen auf, die diese Zeit nicht mehr kennen gelernt hatten. Ab und zu fragte dann ein junger Mensch nach diesen Zeiten. Es war seltsam, auch diese alten Filme spiegelten eine völlig andere Zeit, in der menschliche Werte und Achtung voreinander, sich in den meisten Handlungen wieder spiegelten.
Die Zeit war einfacher gewesen, es gab Orientierung, klare Werte, Wertschätzung, gut und schlecht waren noch so einfach zu unterscheiden gewesen.

Alles lief langsamer, behaglicher, mit weniger Außenreizen ab. Es war eine arme Zeit gewesen und doch trugen viele Menschen dieser Zeit wertvolle Augenblicke von Wärme, Zufriedenheit und Schönheit in ihren Herzen.
Eine einzige Mandarine oder Apfelsine konnten das Highlight des Weihnachtstages sein, die Liebe der Eltern hatte sich in dem gemeinsamen Weihnachtsfest gezeigt, eine warme Stube, ein tiefes Verständnis füreinander, der knirschende Schnee unter den Füßen beim gemeinsamen Gang zur Christmette, ein dunkler, klarer Sternenhimmel, tiefverschneite Tannen, hatten sich in die Herzen eingeprägt. Es schlummerte noch in den Menschen, die Erinnerungen hatten sich nur schlafen gelegt und hin und wider, wenn sich ein Mensch die Zeit nahm zuzuhören, konnten diese Erinnerungen das Herz erwärmen.

Am Nordpol hatten sie daher nach einer großen Krisensitzung in der alle Elfen und Wichtel anwesend waren, daran gearbeitet über das ganze Jahr den Geist der Freude, Erinnerung und Zuneigung in die Stofftiere zu versenken, so dass dieser bei einer Berührung freigesetzt werden konnte.

Besonders schöne Teddys mussten daher gefertigt werden, die schon auf den ersten Blick so entzückend erschienen, dass man sie einfach berühren und streicheln wollte.
Sie Alle, die ganze Nordpolfamilie, hegte die große Hoffnung das die Stofftiere dann wieder das Wunder auslösen konnten, dass sie auch nach vielen Jahren mit abgewetztem Fell und stumpfer Nase, noch als das schönste Tier überhaupt erschienen und ebenso heiß geliebt wurde, wie den ersten Augenblick als sie unter dem Weihnachtsbaum gelegen hatten. Dann würde wieder jedes Kind zu schätzen wissen, umsorgt zu werden von einem so treuen Spielgefährten und diesen ebenso zu umsorgen und zu lieben. Diese gegenseitige Verantwortung würde dann wieder einen Funken von Vertrauen und Verantwortung in den Herzen freisetzen und das Bewusstsein, für wesentliche Gefühle und Dinge schärfen.
Alle Nordpolbewohner hatten Ihre ganze Seele und Kraft in diese Aufgabe gelegt und hofften nun von ganzem Herzen …

Im Namen des Weihnachtsmanns wünsche ich Euch nicht nur zur Weihnachtszeit, das Gefühl von Geborgenheit, Kuscheln, Wärme und Frieden in Euren Herzen – und erinnert Euch an Eure Kindheit, an Eure treuen und liebevollen Spielgefährten, sei es ein Teddy, eine Puppe, fiktive Personen oder Eure besten Freunde und Freundinnen. Erinnert Euch an deren Trost und ihr Verständnis, wenn ihr traurig wart und Euch unverstanden fühltet.
Lasst das Kind in Euch wieder spielen und vertrauen, geht liebevoll mit ihm um, umarmt es, schenkt ihm Eure Phantasie, Freude und Kreativität und tröstet es wenn es sich traurig und einsam fühlt. Es braucht nicht mehr als Eure Erinnerung oder Eure Kreativität, den Willen beachtet und ernst genommen zu werden :-)
In Liebe Eure Liz

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